Glossar
Begriffe der Liquiditätsplanung: von Anfangsbestand bis Zahlungsstockung
Liquiditätsplanung hat ihre eigene Sprache, in der sich Begriffe aus Controlling, Bankwesen, Steuerrecht und Insolvenzrecht mischen. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe kurz und in eigenen Worten — als Nachschlagewerk für Geschäftsführung, Buchhaltung und alle, die eine Liquiditätsplanung lesen oder aufbauen.
Stand: 2026-10-15
Grundbegriffe
Liquidität
Die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Zahlungspflichten bei Fälligkeit zu erfüllen. Umgangssprachlich auch der Bestand an verfügbaren Zahlungsmitteln selbst.
Liquiditätsplanung
Die Vorausschau künftiger Ein- und Auszahlungen über einen festgelegten Zeitraum, aus der sich der erwartete Kontobestand je Periode ergibt.
Liquiditätsvorschau
Meist die kurzfristige Form der Liquiditätsplanung über einige Wochen, häufig im Wochenraster und ausgehend vom heutigen Bestand.
Cash-Position
Summe der Guthaben auf allen Bank- und Kassenkonten zu einem Zeitpunkt, Konten im Soll mit negativem Vorzeichen. Ohne freie Kreditlinien.
Anfangsbestand und Endbestand
Der Bestand zu Beginn und am Ende einer Planperiode. Der Endbestand ergibt sich aus Anfangsbestand plus Einzahlungen minus Auszahlungen und ist der Anfangsbestand der nächsten Periode.
Direkte Methode
Planung über einzelne erwartete Zahlungen zu ihrem Termin. Standard für die kurzfristige Liquiditätsplanung.
Indirekte Methode
Ableitung des Zahlungsstroms aus dem geplanten Ergebnis, korrigiert um nicht zahlungswirksame Posten und Veränderungen im Umlaufvermögen. Üblich für Jahres- und Mehrjahrespläne.
Cashflow
Saldo aus Einzahlungen und Auszahlungen eines Zeitraums. Positiv, wenn mehr Geld zufließt als abfließt.
Planung und Steuerung
13-Wochen-Planung
Liquiditätsvorschau über ein Quartal im Wochenraster. Verbreiteter Standard in Bankgesprächen und in der Sanierungspraxis.
Rollierende Planung
Planung mit gleichbleibendem Horizont: Nach jeder Periode ersetzen Ist-Zahlen die Planwerte, und am Ende wird eine neue Periode angehängt.
Planposten
Erwartete Zahlung, für die noch keine Rechnung existiert, etwa Gehälter, Miete oder Steuervorauszahlungen. Einmalig oder wiederkehrend erfasst.
Offene Posten
Noch nicht bezahlte Ausgangs- und Eingangsrechnungen mit Fälligkeit. Die verlässlichste Quelle für die ersten Wochen einer Vorschau.
Tiefpunkt
Der niedrigste prognostizierte Bestand im Planungszeitraum mit der zugehörigen Woche. Ausgangspunkt jeder Maßnahme.
Mindestliquidität
Selbst festgelegter Bestand, der nicht unterschritten werden soll. Auch Liquiditätsreserve oder Mindestbestand genannt.
Plan-Ist-Vergleich
Gegenüberstellung geplanter und tatsächlicher Zahlungen einer abgelaufenen Periode, mit Begründung der Abweichungen.
Szenario
Alternative Rechnung mit geänderten Annahmen, etwa späteren Kundenzahlungen oder Forderungsausfällen, um die Belastbarkeit der Planung zu prüfen.
Forecast
Aktualisierte Prognose auf Basis des jüngsten Kenntnisstands, häufig bis zum Ende des Geschäftsjahres. Im Controlling-Sprachgebrauch auch für Liquiditätsprognosen verwendet.
Kennzahlen
Liquiditätsgrade
Statische Bilanzkennzahlen: flüssige Mittel, ergänzt um kurzfristige Forderungen bzw. das gesamte kurzfristige Umlaufvermögen, im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Working Capital
Kurzfristiges Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten. Zeigt, wie viel Kapital im laufenden Geschäft gebunden ist.
Burn-Rate
Durchschnittlicher monatlicher Netto-Mittelabfluss. Besonders bei jungen oder wachsenden Unternehmen ohne laufenden Überschuss aussagekräftig.
Cash-Reichweite
Wie viele Monate der aktuelle Bestand bei gleichbleibender Burn-Rate reicht. Im Englischen Runway.
Forderungslaufzeit
Durchschnittliche Zahl der Tage zwischen Rechnung und Zahlungseingang, englisch Days Sales Outstanding (DSO).
Verbindlichkeitenlaufzeit
Durchschnittliche Zahl der Tage bis zur Bezahlung von Lieferantenrechnungen, englisch Days Payable Outstanding (DPO).
Kapitaldienstfähigkeit
Fähigkeit, Zins und Tilgung aller Kredite aus dem laufenden Geschäft zu leisten. Zentrale Prüfgröße bei Kreditentscheidungen.
Finanzierung
Kontokorrentkredit
Vom Kreditinstitut eingeräumter Rahmen, in dessen Höhe das Geschäftskonto negativ werden darf. Berechnet werden Zinsen allein auf den genutzten Betrag.
Freie Linie
Nicht ausgeschöpfter Teil einer Kreditlinie. Erhöht die verfügbare Liquidität, ist aber kein eigenes Geld.
Verfügbare Liquidität
Cash-Position zuzüglich freier, zugesagter Kreditlinien. Zeigt, was heute maximal bezahlt werden könnte.
Bodensatz
Teil einer Kreditlinie, der über längere Zeit nie zurückgeführt wird und damit faktisch langfristig finanziert.
Kapitaldienst
Summe aus Zinsen und Tilgung, die aus Krediten zu leisten ist, in der Liquiditätsplanung ergänzt um Rückflüsse aus Geldanlagen.
Annuität
Gleichbleibende Rate aus Zins und Tilgung. Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt mit jedem Termin.
Ratentilgung
Tilgung in gleich hohen Beträgen; die Gesamtrate sinkt, weil der Zins auf die kleiner werdende Restschuld berechnet wird.
Endfälliges Darlehen
Während der Laufzeit werden nur Zinsen gezahlt, der Darlehensbetrag wird am Ende in einer Summe zurückgezahlt.
Zinsbindung
Zeitraum, für den der Sollzins fest vereinbart ist. An ihrem Ende steht die Restschuld zur Anschlussfinanzierung an.
Steuer- und Abgabentermine
Umsatzsteuer-Vorauszahlung
Fällig am 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums (§ 18 Abs. 1 UStG); Voranmeldungszeitraum ist grundsätzlich das Kalendervierteljahr, bei mehr als 9.000 € Vorjahressteuer der Kalendermonat.
Dauerfristverlängerung
Das Finanzamt kann auf Antrag Abgabe- und Zahlungstermin der Umsatzsteuer-Voranmeldung um einen Monat hinausschieben (§ 46 UStDV). Wer monatlich anmeldet, zahlt im Gegenzug eine Sondervorauszahlung in Höhe eines Elftels der Vorauszahlungen des Vorjahres (§ 47 UStDV).
Lohnsteuer
Anzumelden und abzuführen spätestens am 10. Tag nach Ablauf des Anmeldungszeitraums (§ 41a EStG), grundsätzlich monatlich.
Sozialversicherungsbeiträge
Der voraussichtliche Beitrag ist bis zum drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Beschäftigungsmonats zu zahlen (§ 23 Abs. 1 SGB IV).
Gewerbesteuer-Vorauszahlungen
Vierteljährlich jeweils zur Monatsmitte: 15. Februar, 15. Mai, 15. August, 15. November; Rechtsgrundlage ist § 19 GewStG.
Einkommen- und Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen
Quartalsweise zum Zehnten: 10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember; geregelt in § 37 EStG, für Kapitalgesellschaften entsprechend über § 31 KStG.
Recht und Krise
Liquiditätsstatus
Stichtagsaufstellung der verfügbaren Mittel und der fälligen Verbindlichkeiten. Erster Schritt bei der Prüfung der Zahlungsfähigkeit.
Zahlungsstockung
Vorübergehende Lücke, die sich innerhalb von etwa drei Wochen schließen lässt. Nach der Rechtsprechung keine Zahlungsunfähigkeit.
Zahlungsunfähigkeit
Unfähigkeit, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen (§ 17 InsO). Nach dem BGH regelmäßig anzunehmen bei einer Lücke von mindestens 10 %, die nicht binnen drei Wochen zu schließen ist.
Passiva II
Im Insolvenzrecht die Verbindlichkeiten, die in den drei Wochen nach dem Prüfungsstichtag fällig und vom Gläubiger verlangt werden. Laut BGH-Urteil II ZR 88/16 sind sie in die Liquiditätsbilanz aufzunehmen.
Drohende Zahlungsunfähigkeit
Bestehende Zahlungspflichten werden voraussichtlich bei Fälligkeit nicht erfüllt werden können; Prognosezeitraum in aller Regel 24 Monate (§ 18 InsO). Berechtigt zum Antrag, verpflichtet nicht.
Überschuldung
Das Vermögen deckt die Verbindlichkeiten nicht, es sei denn, die Fortführung ist in den nächsten zwölf Monaten überwiegend wahrscheinlich (§ 19 InsO).
Krisenfrüherkennung
Pflicht der Geschäftsleiter juristischer Personen, fortlaufend über bestandsgefährdende Entwicklungen zu wachen und gegenzusteuern (§ 1 StaRUG).
Die Begriffe in liquiditaetsplanung.io
- Cash-Position, Zu- und Abflüsse der letzten 30 Tage, verfügbare Liquidität mit freien Linien
- Cash-Reichweite, Burn-Rate, Forderungs- und Verbindlichkeitenlaufzeit
- Planposten, Kapitaldienst und Steuertermine in der Wochen-Vorschau
- Abo: 25 € je Monat und Arbeitsbereich, jede aktive finAPI-Bankverbindung zusätzlich 5 €
In liquiditaetsplanung.io begegnen Ihnen viele dieser Begriffe als Felder und Kennzahlen: Cash-Position und verfügbare Liquidität in der Übersicht, Mindestbestand und Tiefpunkt in der Vorschau, Kapitaldienst und Tilgungsplan bei den Darlehen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität und Rentabilität?
Rentabilität beschreibt, ob ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet, gemessen an Erträgen und Aufwendungen. Liquidität beschreibt, ob es seine Zahlungen pünktlich leisten kann, gemessen an Ein- und Auszahlungen. Ein rentables Unternehmen kann illiquide werden, wenn Zahlungseingänge zu spät kommen.
Was bedeutet Cash-Position?
Damit ist das gesamte Guthaben gemeint, das zu einem Zeitpunkt auf Bankkonten und in der Kasse liegt, abzüglich der Konten, die im Minus stehen. Freie Kreditlinien gehören nicht dazu, sondern werden als verfügbare Liquidität gesondert ausgewiesen.
Was ist Kapitaldienst?
Die Summe aus Zins- und Tilgungszahlungen auf Kredite in einem Zeitraum. In der Liquiditätsplanung erscheint der Kapitaldienst zu den Terminen laut Tilgungsplan. Rückflüsse aus fälligen Geldanlagen werden häufig in derselben Zeile als Einzahlung geführt.
Was ist der Unterschied zwischen Zahlungsstockung und Zahlungsunfähigkeit?
Eine Zahlungsstockung ist eine vorübergehende Lücke, die sich in etwa drei Wochen schließen lässt. Zahlungsunfähigkeit liegt nach der Rechtsprechung regelmäßig vor, wenn eine Lücke von mindestens 10 % der fälligen Verbindlichkeiten nicht innerhalb von drei Wochen geschlossen werden kann.
Was heißt Runway?
Runway ist der englische Begriff für die Cash-Reichweite: die Zahl der Monate, die der aktuelle Bestand bei gleichbleibendem monatlichem Netto-Abfluss reicht. Er wird vor allem bei jungen, noch nicht profitablen Unternehmen verwendet.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- § 17 InsO — Zahlungsunfähigkeit
- § 18 InsO — Drohende Zahlungsunfähigkeit
- § 19 InsO — Überschuldung
- § 18 UStG — Umsatzsteuer-Voranmeldung und -Vorauszahlung
- § 47 UStDV — Sondervorauszahlung von einem Elftel
- § 23 SGB IV — Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge
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