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Liquiditätsplan

Liquiditätsplan erstellen: so planen Sie Ein- und Auszahlungen Schritt für Schritt

Ein Liquiditätsplan beantwortet eine einzige Frage: Reicht das Geld auf den Konten, um alle Zahlungen pünktlich zu leisten — heute, in vier Wochen, in drei Monaten? Diese Anleitung richtet sich an Geschäftsführung, Inhaber und Finanzverantwortliche kleiner und mittlerer Unternehmen, die einen Liquiditätsplan zum ersten Mal aufbauen oder eine gewachsene Tabelle auf ein sauberes Fundament stellen wollen.

Stand: 2026-10-15

Was ein Liquiditätsplan zeigt — und was nicht

Der Liquiditätsplan ist eine reine Zahlungsrechnung. Er erfasst nur Geld, das tatsächlich auf ein Konto fließt oder es verlässt. Damit unterscheidet er sich grundlegend von der Gewinn- und Verlustrechnung: Eine Ausgangsrechnung über 50.000 € erhöht den Umsatz am Tag der Rechnung, auf dem Konto kommt das Geld aber erst an, wenn der Kunde zahlt — bei 30 Tagen Zahlungsziel einen Monat später, bei säumigen Kunden noch später. Umgekehrt mindern Abschreibungen den Gewinn, ohne dass ein Euro abfließt, während die Tilgung eines Darlehens Liquidität kostet, aber in der GuV gar nicht auftaucht.

Genau deshalb kann ein Unternehmen mit gutem Ergebnis zahlungsunfähig werden: Der Gewinn steckt in Forderungen und Vorräten, das Konto ist leer. Der Liquiditätsplan macht diese zeitliche Lücke zwischen Leistung und Zahlung sichtbar. Er ist kein Ersatz für die Ergebnisplanung, sondern ihr notwendiges Gegenstück — die Ergebnisplanung sagt, ob sich das Geschäft lohnt, der Liquiditätsplan sagt, ob es bis dahin durchfinanziert ist.

Häufig synonym verwendet werden die Begriffe Liquiditätsvorschau, Finanzplan und Cashflow-Prognose. In der Praxis meint Liquiditätsvorschau meist den kurzfristigen Blick über einige Wochen, Finanzplan eher die Jahresplanung auf Monatsbasis einschließlich Finanzierung. Für den Aufbau gilt in beiden Fällen dasselbe Prinzip: Anfangsbestand plus Einzahlungen minus Auszahlungen ergibt den Endbestand.

Aufbau eines Liquiditätsplans als Vorlage

Diese Struktur können Sie unverändert in eine Tabelle übernehmen; jede Zeile hat eine klare Datenquelle.

Zeilenaufbau eines Liquiditätsplans (je Spalte eine Woche oder ein Monat)
BlockZeileInhaltDatenquelle
BestandAnfangsbestandSumme aller Bankguthaben und der Kasse zu Periodenbeginn; ab Periode 2 der Endbestand der VorperiodeKontoauszüge, Online-Banking
EinzahlungenKundenzahlungen aus offenen RechnungenOffene Forderungen zum erwarteten Zahlungstag, nicht zum RechnungsdatumOffene-Posten-Liste der Buchhaltung
EinzahlungenErwartete NeuumsätzeAufträge, die noch nicht fakturiert sind, mit realistischem ZahlungszielAuftragsbestand, Vertrieb
EinzahlungenSonstige EinzahlungenFördermittel, Steuererstattungen, Anlagenverkäufe, DarlehensauszahlungenBescheide, Verträge
AuszahlungenLieferanten und MaterialOffene Eingangsrechnungen zum Fälligkeitstag, geplante BestellungenOffene-Posten-Liste, Einkauf
AuszahlungenPersonalNettolöhne, Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer — jeweils zum eigenen TerminLohnabrechnung
AuszahlungenMiete, Leasing, VersicherungenFixe Verträge im vereinbarten RhythmusVerträge
AuszahlungenSteuernUmsatzsteuer-Zahllast, Gewerbe- und Körperschaftsteuer-VorauszahlungenVoranmeldungen, Vorauszahlungsbescheide
AuszahlungenKapitaldienstZins und Tilgung aus Darlehen, Leasingraten mit FinanzierungscharakterTilgungspläne
AuszahlungenInvestitionen und SonstigesMaschinen, Software, Beratung, einmalige ZahlungenInvestitionsplan
ErgebnisSaldo der PeriodeSumme Einzahlungen minus Summe AuszahlungenFormel
ErgebnisEndbestandAnfangsbestand plus Saldo der PeriodeFormel
SteuerungMindestliquiditätFestgelegter Sockel, der nicht unterschritten werden sollEigene Festlegung
SteuerungÜber- oder UnterdeckungEndbestand minus Mindestliquidität; negativ heißt handelnFormel
SteuerungFreie KreditlinieNicht ausgeschöpfter Kontokorrent als Reserve, getrennt ausgewiesenKreditvertrag, Kontostand

In acht Schritten zum ersten Liquiditätsplan

  • Schritt 1 — Horizont und Raster festlegen: Für die operative Steuerung eignen sich 13 Wochen im Wochenraster, für Jahresgespräche mit der Bank zusätzlich zwölf Monate im Monatsraster. Wer nur monatlich plant, übersieht Engpässe innerhalb des Monats, etwa wenn Gehälter und Umsatzsteuer in dieselbe Woche fallen.
  • Schritt 2 — Anfangsbestand ermitteln: Addieren Sie die Guthaben aller Geschäftskonten und die Kasse zum Stichtag. Ein Konto im Soll wird mit negativem Vorzeichen eingerechnet, die freie Kreditlinie führen Sie in einer eigenen Zeile.
  • Schritt 3 — Offene Posten übernehmen: Alle offenen Ausgangs- und Eingangsrechnungen kommen mit ihrem Fälligkeitsdatum in die jeweilige Periode. Bei Kunden, die regelmäßig später zahlen, setzen Sie den erfahrungsgemäßen Zahlungstag an, nicht das Zahlungsziel auf der Rechnung.
  • Schritt 4 — Wiederkehrende Zahlungen eintragen: Gehälter, Sozialversicherung, Miete, Leasing, Versicherungen und Abonnements stehen fest. Tragen Sie jede Position zu ihrem tatsächlichen Termin ein, nicht gleichmäßig verteilt.
  • Schritt 5 — Steuern terminieren: Umsatzsteuer-Vorauszahlung und Lohnsteuer sind am 10. Tag nach Ablauf des Anmeldezeitraums fällig, bei monatlicher Anmeldung also am 10. des Folgemonats; mit Dauerfristverlängerung verschiebt sich die Umsatzsteuer um einen Monat. Gewerbesteuer-Vorauszahlungen am 15. Februar, Mai, August und November, Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen am 10. März, Juni, September und Dezember.
  • Schritt 6 — Kapitaldienst aus den Tilgungsplänen übernehmen: Jede Darlehensrate mit Zins- und Tilgungsanteil gehört zu ihrem Abbuchungstag in den Plan, ebenso die Fälligkeit von Festgeldern als Einzahlung.
  • Schritt 7 — Neugeschäft und Investitionen vorsichtig schätzen: Erwartete Umsätze, die noch nicht fakturiert sind, planen Sie mit Abschlag und realistischem Zahlungseingang. Geplante Investitionen kommen mit dem voraussichtlichen Zahlungstermin hinein.
  • Schritt 8 — Mindestliquidität festlegen und Plan lesen: Legen Sie einen Betrag fest, unter den der Bestand nicht fallen soll, und suchen Sie die Periode mit dem niedrigsten Endbestand. Diese Periode ist der Ausgangspunkt für alle Maßnahmen.

Rechenbeispiel: Liquiditätsplan über drei Monate

Ein erfundenes Beispiel einer kleinen Handels-GmbH, rechnerisch vollständig nachvollziehbar.

Die Beispiel-GmbH startet am 1. Januar mit 40.000 € auf ihren Konten und hat sich eine Mindestliquidität von 25.000 € gesetzt. Die Kundenzahlungen schwanken saisonal, die Personalkosten sind konstant. Im Februar fällt die Gewerbesteuer-Vorauszahlung an, im März die Körperschaftsteuer-Vorauszahlung.

Beispielrechnung in Euro — Endbestand je Monat und Abstand zur Mindestliquidität
PositionJanuarFebruarMärz
Anfangsbestand40.00041.00023.000
Einzahlungen aus Kundenzahlungen62.00048.00071.000
Summe Einzahlungen62.00048.00071.000
Material und Waren21.00023.00022.000
Personal inklusive Abgaben24.00024.00024.000
Miete3.5003.5003.500
Umsatzsteuer-Zahllast4.8005.1002.900
Steuervorauszahlungen03.0004.000
Darlehensrate (Zins und Tilgung)2.5002.5002.500
Sonstige Auszahlungen5.2004.9005.600
Summe Auszahlungen61.00066.00064.500
Saldo der Periode+1.000−18.000+6.500
Endbestand41.00023.00029.500
Mindestliquidität25.00025.00025.000
Über- oder Unterdeckung+16.000−2.000+4.500

Was das Beispiel über die Planung lehrt

Über das Quartal betrachtet bleibt die Beispiel-GmbH über ihrer Schwelle: Sie nimmt 181.000 € ein, zahlt 191.500 € aus und endet mit 29.500 €, also 4.500 € über der Mindestliquidität. Trotzdem rutscht der Bestand Ende Februar um 2.000 € unter die Mindestliquidität. Die Ursache ist nicht ein schlechtes Geschäft, sondern das Zusammentreffen eines schwachen Einzahlungsmonats mit der Gewerbesteuer-Vorauszahlung.

Noch wichtiger ist, was die Monatssicht verschweigt. Wenn im Februar die Gehälter zum Monatsende abfließen, die größten Kundenzahlungen aber erst in der letzten Woche eingehen, kann der Bestand zwischenzeitlich deutlich tiefer liegen als die 23.000 € am Monatsende. Ein Monatsplan zeigt Endbestände, keine Tiefpunkte innerhalb des Monats. Deshalb gehört zu jedem Monatsplan für die nächsten Wochen eine Wochenplanung, in der jede Zahlung an ihrem Tag steht.

Mögliche Maßnahmen ergeben sich direkt aus dem Plan: eine größere Kundenforderung früher anmahnen, eine Lieferantenzahlung im Rahmen des Zahlungsziels in den März schieben, eine Herabsetzung der Gewerbesteuer-Vorauszahlung prüfen lassen, wenn das laufende Jahr schwächer läuft als das Vorjahr, oder die Kontokorrentlinie bewusst für zwei Wochen einplanen. Jede dieser Maßnahmen wird im Plan nachgetragen, sodass sichtbar bleibt, ob sie die Lücke schließt.

Die häufigsten Fehler beim Liquiditätsplan

Umsatz statt Zahlung

Wer Rechnungsbeträge in den Monat der Rechnung schreibt, plant Geld ein, das erst Wochen später kommt. Maßgeblich ist immer der erwartete Zahlungseingang.

Netto statt Brutto

Kunden zahlen den Bruttobetrag, die Umsatzsteuer darin fließt einige Wochen später an das Finanzamt ab. Beide Bewegungen gehören in den Plan, sonst wirkt der Zahlungseingang größer, als er für das Unternehmen ist.

Gleichverteilte Fixkosten

Gehälter, Sozialversicherung und Umsatzsteuer häufen sich an wenigen Tagen im Monat. Wer sie gleichmäßig auf Wochen verteilt, glättet genau die Spitzen weg, um die es geht.

Vergessene Einmalzahlungen

Jahresprämien von Versicherungen, Weihnachtsgeld, Nachzahlungen aus Steuerbescheiden und Sondervorauszahlungen sind planbar, fallen aber aus Monatsdurchschnitten heraus.

Kreditlinie als Bestand

Eine freie Kontokorrentlinie ist eine Reserve, kein Guthaben. Sie gehört in eine eigene Zeile, damit sichtbar bleibt, wie viel Eigenliquidität tatsächlich vorhanden ist.

Plan ohne Pflege

Ein Liquiditätsplan, der nach der Erstellung nicht mehr mit den tatsächlichen Kontoständen abgeglichen wird, verliert binnen Wochen seine Aussagekraft. Der wöchentliche Abgleich ist Teil des Plans.

Wie oft Sie den Plan aktualisieren sollten

Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen hat sich ein fester Wochentermin bewährt: Kontostände abgleichen, neue offene Posten übernehmen, die abgelaufene Woche durch Ist-Werte ersetzen und eine neue Woche am Ende anhängen. Mit automatisch übernommenen Kontoständen und offenen Posten ist diese rollierende Fortschreibung schnell erledigt; mit einer von Hand gepflegten Tabelle dauert sie deutlich länger.

In angespannten Phasen — bei einem großen Zahlungsausfall, einer gekündigten Kreditlinie oder saisonalen Spitzen — empfiehlt sich der tägliche Blick auf die nächsten zwei bis drei Wochen. Sobald der Plan eine Unterdeckung zeigt, die sich nicht aus eigener Kraft schließen lässt, ist das Gespräch mit Bank und Steuerberatung der nächste Schritt. Bei Kapitalgesellschaften verlangt § 1 StaRUG von der Geschäftsleitung ohnehin, bestandsgefährdende Entwicklungen fortlaufend zu beobachten; ein gepflegter Liquiditätsplan ist dafür das naheliegende Instrument.

So geht es mit liquiditaetsplanung.io

  • Cash-Position über alle Bankkonten — Kontostand laut Bank, fortgeschrieben mit späteren Umsätzen
  • Wochen-Vorschau mit wählbarem Horizont von 8, 13 oder 26 Wochen; je Kalenderwoche Zufluss, Abfluss und Bestand
  • Geplante Zahlungen einmalig oder monatlich, quartalsweise, halbjährlich, jährlich
  • Mindestbestand je Gesellschaft mit Warnung, Tiefpunkt und Kalenderwoche
  • Abo für 25 € monatlich je Arbeitsbereich; nur aktive finAPI-Verbindungen kosten je 5 € mehr, Qonto, Ponto und der Import von Kontoauszügen nicht; 7 Tage kostenlos testen

liquiditaetsplanung.io baut den Liquiditätsplan aus Daten, die bereits vorhanden sind: Kontostände und Umsätze aus der Bankanbindung oder hochgeladenen Kontoauszügen, offene Posten aus der Buchhaltung, Ihre geplanten Zahlungen und den Kapitaldienst aus erfassten Darlehen. Daraus entsteht eine Wochen-Vorschau, in der jede Woche bis auf den einzelnen Posten nachvollziehbar bleibt.

Häufige Fragen

Was gehört alles in einen Liquiditätsplan?

Der Anfangsbestand aller Bankkonten und der Kasse, alle erwarteten Einzahlungen und alle erwarteten Auszahlungen je Periode, daraus der Endbestand. Zu den Auszahlungen zählen auch Steuern, Sozialversicherung, Darlehensraten und Investitionen, nicht nur laufende Kosten. Ergänzend gehören eine Mindestliquidität und die freie Kreditlinie als eigene Zeilen dazu.

Wie weit im Voraus sollte ein Liquiditätsplan reichen?

Für die operative Steuerung haben sich 13 Wochen im Wochenraster bewährt, weil sie ein Quartal abdecken und trotzdem belastbar bleiben. Für Bankgespräche und Investitionsentscheidungen ergänzen viele Unternehmen eine Monatsplanung über zwölf Monate. Beide Sichten sollten auf demselben Anfangsbestand aufsetzen.

Ist ein Liquiditätsplan für eine GmbH Pflicht?

Ein bestimmtes Formular schreibt das Gesetz nicht vor. § 1 StaRUG verpflichtet die Geschäftsleiter juristischer Personen aber, fortlaufend über Entwicklungen zu wachen, die den Fortbestand gefährden können, und bei Bedarf gegenzusteuern. Ohne eine laufende Liquiditätsplanung lässt sich diese Pflicht kaum nachweisbar erfüllen.

Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätsplan und Rentabilitätsplanung?

Die Rentabilitätsplanung rechnet mit Erträgen und Aufwendungen und zeigt, ob ein Gewinn entsteht. Der Liquiditätsplan rechnet mit Zahlungen und zeigt, ob das Geld zu jedem Zeitpunkt reicht. Abschreibungen stehen nur in der Rentabilitätsplanung, Darlehenstilgungen nur im Liquiditätsplan.

Plane ich im Liquiditätsplan mit Netto- oder Bruttobeträgen?

Mit den Beträgen, die tatsächlich fließen, also in der Regel brutto einschließlich Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer-Zahllast an das Finanzamt planen Sie dann als eigene Auszahlung zu ihrem Fälligkeitstermin. So bleibt sichtbar, dass ein Teil jedes Zahlungseingangs nur durchläuft.

Wie berücksichtige ich unsichere Kundenzahlungen?

Setzen Sie den erfahrungsgemäßen Zahlungstag statt des Zahlungsziels an und rechnen Sie bei unsicheren Forderungen mit einem Abschlag. Sinnvoll ist eine zweite Variante, in der Kunden zwei bis vier Wochen später zahlen. Hält der Plan auch in dieser vorsichtigen Variante die Mindestliquidität, ist er belastbar.

Quellen und Rechtsstand

Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.

  • § 1 StaRUG — Pflicht der Geschäftsleiter zur fortlaufenden Krisenfrüherkennung
  • § 18 UStG — Voranmeldung und Fälligkeit der Umsatzsteuer-Vorauszahlung am 10. Tag nach Ablauf des Zeitraums
  • § 41a EStG — Anmeldung und Abführung der Lohnsteuer
  • § 19 GewStG — Gewerbesteuer-Vorauszahlungen am 15. Februar, Mai, August, November
  • § 37 EStG — Vorauszahlungstermine 10. März, Juni, September, Dezember (für die Körperschaftsteuer über § 31 KStG)
  • § 23 SGB IV — Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge am drittletzten Bankarbeitstag

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