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Kreditlinien

Kontokorrentlinie und Kreditlinien überwachen: verfügbare Liquidität richtig rechnen

Die Kontokorrentlinie ist für viele kleine und mittlere Unternehmen die wichtigste kurzfristige Finanzierung — und zugleich die am wenigsten beobachtete. Diese Seite zeigt, wie Sie Kreditlinien in die Liquiditätsplanung einbeziehen, welche Kennzahlen eine Überwachung braucht, was die Inanspruchnahme kostet und welche Risiken eine dauerhaft ausgeschöpfte Linie birgt.

Stand: 2026-10-15

Wie eine Kontokorrentlinie funktioniert

Bei einem Kontokorrentkredit räumt die Bank auf dem laufenden Geschäftskonto einen Kreditrahmen ein, bis zu dem das Konto ins Soll gehen darf. Zinsen fallen nur auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag an, und jede Einzahlung führt die Inanspruchnahme automatisch zurück. Das macht die Linie zum idealen Puffer für schwankende Zahlungseingänge: Sie überbrückt die Zeit zwischen Lieferantenzahlung und Kundenzahlung, ohne dass für jede Lücke ein Kredit beantragt werden muss.

Wird der vereinbarte Rahmen überschritten, berechnen Banken in der Regel einen höheren Zins für den überzogenen Betrag, und Lastschriften oder Überweisungen können zurückgegeben werden. Die genauen Konditionen — Sollzins, Zins für Überziehungen, gegebenenfalls eine Bereitstellungsprovision, Laufzeit und Kündigungsregeln — stehen im Kreditvertrag und den Geschäftsbedingungen der Bank. Diese Unterlagen sollten Sie kennen, bevor die Linie gebraucht wird.

Verfügbare Liquidität richtig rechnen

Erfundenes Beispiel mit drei Konten bei zwei Banken.

Beide Zahlen sind richtig, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen. Die Cash-Position von 30.000 € zeigt, wie viel eigenes Geld das Unternehmen netto hat. Die verfügbare Liquidität von 110.000 € zeigt, was es heute maximal bezahlen könnte. Wer nur die zweite Zahl betrachtet, übersieht, dass 80.000 € davon geliehen und kündbar sind. Wer nur die erste betrachtet, unterschätzt den Spielraum. In der Planung gehören deshalb beide nebeneinander.

Cash-Position und verfügbare Liquidität im Vergleich
KontoSaldoVereinbarte LinieFreie Linie
Hausbank, Kontokorrent−20.000 €100.000 €80.000 €
Zweitbank, Geschäftskonto35.000 €——
Tagesgeld15.000 €——
Summe30.000 €100.000 €80.000 €
Cash-Position (Summe der Salden)30.000 €——
Verfügbare Liquidität (Salden plus freie Linie)110.000 €——

Kennzahlen für die Überwachung

Beispielwerte für eine Linie von 100.000 € über ein Quartal.

Die Zinsberechnungsmethode, also ob mit 360 oder 365 Tagen gerechnet wird, regelt Ihr Vertrag; das Beispiel nutzt 360 Tage und einen angenommenen Zinssatz von 9 %. Entscheidend ist das Muster: Eine Linie, die im Schnitt zu 70 % genutzt wird, an keinem Tag ins Haben dreht und zeitweise fast voll ausgeschöpft ist, dient nicht mehr als Puffer.

Kennzahlen einer Kontokorrentlinie
KennzahlBerechnungBeispielAussage
Durchschnittliche AuslastungMittlere Inanspruchnahme ÷ Linie70.000 € ÷ 100.000 € = 70 %Wie stark die Linie im Schnitt genutzt wird
SpitzenauslastungHöchste Inanspruchnahme ÷ Linie96.000 € ÷ 100.000 € = 96 %Wie nah das Unternehmen an der Grenze war
BodensatzNiedrigste Inanspruchnahme im Zeitraum55.000 €Teil der Linie, der nie zurückgeführt wurde
Tage im SollAnzahl Tage mit negativem Saldo90 von 90Ob die Linie Puffer oder Dauerfinanzierung ist
ZinskostenMittlere Inanspruchnahme × Zinssatz × Tage ÷ 36070.000 € × 9 % × 90 ÷ 360 = 1.575 €Was die Linie tatsächlich kostet

Der Bodensatz als Warnsignal

Ein Bodensatz bedeutet, dass ein Teil der Linie dauerhaft gebraucht wird — meist, weil Vorräte, Forderungen oder Investitionen mit kurzfristigem Geld finanziert sind. Das ist aus zwei Gründen ungünstig. Kontokorrentzinsen liegen typischerweise über den Zinsen eines Darlehens mit fester Laufzeit, und der Puffer, für den die Linie gedacht ist, steht im Ernstfall nur noch teilweise zur Verfügung.

Im Beispiel lagen über das ganze Quartal mindestens 55.000 € im Soll. Würde dieser Betrag in ein Darlehen mit beispielsweise 5 % statt 9 % Zins umgeschuldet, sänke die Zinslast rechnerisch um rund 2.200 € im Jahr, und die Linie stünde wieder vollständig als Reserve bereit. Ob und zu welchen Konditionen das möglich ist, ist eine Frage für das Gespräch mit der Bank; die Liquiditätsplanung liefert dafür die Zahlen.

Risiken, die in der Planung sichtbar sein sollten

Kündigung und Kürzung

Nach § 490 Abs. 1 BGB kann der Darlehensgeber bei einer wesentlichen Verschlechterung der Vermögensverhältnisse, durch die die Rückzahlung gefährdet wird, außerordentlich kündigen. Weitere Kündigungsrechte ergeben sich aus Vertrag und Geschäftsbedingungen. Rechnen Sie in einer vorsichtigen Variante durch, was eine Halbierung der Linie bedeuten würde.

Befristung und Verlängerung

Viele Linien sind befristet oder werden in festen Abständen überprüft. Halten Sie das Datum der nächsten Verlängerung fest und legen Sie rechtzeitig vorher aktuelle Zahlen vor.

Vertragliche Kennzahlen

Kreditverträge können Finanzkennzahlen enthalten, deren Verletzung Rechte der Bank auslöst. Die Liquiditätsplanung zeigt frühzeitig, ob eine Kennzahl in Gefahr gerät.

Überziehung über die Linie

Ein Überschreiten des Rahmens kostet einen höheren Zins und kann zur Rückgabe von Zahlungen führen. Die Wochen-Vorschau sollte deshalb nicht nur gegen die Mindestliquidität, sondern auch gegen die Linie geprüft werden.

Mehrere Linien bei mehreren Banken

  • Führen Sie je Linie Limit, aktuelle Inanspruchnahme, Zinssatz, Laufzeit oder Verlängerungsdatum, Sicherheiten und Ansprechpartner in einer Übersicht.
  • Rechnen Sie freie Linien nur zusammen, wenn sie tatsächlich parallel nutzbar sind — eine Linie auf einem Konto, auf das keine Einzahlungen laufen, wird schnell voll und bleibt es.
  • Steuern Sie Kundenzahlungen bewusst auf das Konto mit der teuersten Inanspruchnahme.
  • Prüfen Sie einmal im Quartal, ob die Summe der Linien zum Bedarf passt, den die Liquiditätsplanung zeigt.

So geht es mit liquiditaetsplanung.io

  • Kreditlinien mit Limit, Inanspruchnahme, Zinssatz und Status aktiv, getilgt oder gekündigt
  • Freie Linien erhöhen die verfügbare Liquidität, nicht die Cash-Position
  • Kreditkarten, Factoring und Fremdwährungskonten werden getrennt ausgewiesen
  • 25 € pro Monat je Arbeitsbereich, alle Gesellschaften enthalten, zuzüglich 5 € je aktiver finAPI-Bankverbindung

In liquiditaetsplanung.io erfassen Sie Kreditlinien mit Limit und Inanspruchnahme neben Darlehen und Geldanlagen. Die Übersicht zeigt die Cash-Position und getrennt davon die verfügbare Liquidität einschließlich freier Linien, sodass beide Sichten nebeneinander stehen.

Häufige Fragen

Wie berechne ich die verfügbare Liquidität mit Kreditlinie?

Sie addieren die Salden aller Konten — Konten im Soll mit negativem Vorzeichen — und rechnen den nicht ausgeschöpften Teil aller Kreditlinien hinzu. Bei 30.000 € Saldensumme und 80.000 € freier Linie sind 110.000 € verfügbar. Weisen Sie beide Größen getrennt aus.

Was kostet eine Kontokorrentlinie?

Zinsen auf den tatsächlich genutzten Betrag, je nach Vertrag gegebenenfalls eine Bereitstellungsprovision für den ungenutzten Rahmen und ein höherer Zins für Überziehungen über die Linie. Die Kosten ergeben sich aus mittlerer Inanspruchnahme, Zinssatz und Nutzungsdauer. Die Zinsberechnungsmethode steht im Vertrag.

Was ist der Bodensatz einer Kreditlinie?

Der Betrag, der über einen längeren Zeitraum nie zurückgeführt wird, also die niedrigste Inanspruchnahme im betrachteten Zeitraum. Er zeigt, welcher Teil der Linie faktisch als Dauerfinanzierung dient. Ein großer Bodensatz ist ein Anlass, über eine Umschuldung in ein Darlehen nachzudenken.

Kann die Bank eine Kontokorrentlinie kündigen?

Ja. Verschlechtern sich die Vermögensverhältnisse des Unternehmens wesentlich und ist dadurch die Rückzahlung gefährdet, erlaubt § 490 Abs. 1 BGB der Bank eine außerordentliche Kündigung. Weitere Kündigungsrechte regeln Kreditvertrag und Geschäftsbedingungen der Bank. Planen Sie deshalb nie so, dass das Unternehmen nur mit voll ausgeschöpfter Linie zahlungsfähig bleibt.

Zählt eine freie Kreditlinie bei der Prüfung der Zahlungsfähigkeit mit?

Freie, zugesagte und ungekündigte Linien werden bei der Prüfung der Zahlungsunfähigkeit üblicherweise zu den verfügbaren Mitteln gerechnet. Eine bereits gekündigte oder nur in Aussicht gestellte Linie zählt dagegen nicht. In einer angespannten Lage sollten Sie das mit Ihrer Beratung abstimmen.

Wie oft sollte ich die Auslastung der Linie prüfen?

Die aktuelle Inanspruchnahme gehört in jede wöchentliche Fortschreibung der Liquiditätsplanung. Auslastung, Bodensatz und Zinskosten genügen quartalsweise, rechtzeitig vor dem nächsten Bankgespräch oder der Verlängerung der Linie.

Quellen und Rechtsstand

Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.

  • § 488 BGB — Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag, Kündigung bei unbestimmter Laufzeit
  • § 490 BGB — Außerordentliches Kündigungsrecht des Darlehensgebers
  • § 17 InsO — Verfügbare Mittel und fällige Zahlungspflichten

Linien, Darlehen und Konten in einer Übersicht

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