# Zahlungsunfähigkeit prüfen: Liquiditätsstatus, Drei-Wochen-Plan und die 10-%-Grenze

Quelle: https://liquiditaetsplanung.io/ratgeber/zahlungsunfaehigkeit-pruefen

Stand: 2026-10-15

Zahlungsunfähigkeit ist der häufigste Grund, aus dem ein Insolvenzverfahren eröffnet wird — und eine Frage, die sich mit Zahlen beantworten lässt. Diese Seite erklärt für Geschäftsführung und Finanzverantwortliche, wie die Prüfung nach § 17 InsO und der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs aufgebaut ist, zeigt ein durchgerechnetes Beispiel und nennt die Fristen, die ab dem Eintritt laufen. Sie ersetzt keine rechtliche Beratung, die in einer solchen Lage unverzichtbar ist.

## Kurzantwort

Um Zahlungsunfähigkeit zu prüfen, stellen Sie zum Stichtag die verfügbaren Mittel den fälligen und eingeforderten Verbindlichkeiten gegenüber. Bleibt eine Lücke, rechnen Sie drei Wochen weiter: Einzahlungen und neu fällig werdende Verbindlichkeiten dieser drei Wochen kommen hinzu. Ist die verbleibende Lücke nach drei Wochen kleiner als 10 % der fälligen Gesamtverbindlichkeiten, ist nach der Rechtsprechung regelmäßig noch von Zahlungsfähigkeit auszugehen, ab 10 % regelmäßig von Zahlungsunfähigkeit. Liegt Zahlungsunfähigkeit vor, muss die Geschäftsleitung einer Kapitalgesellschaft ohne schuldhaftes Zögern, spätestens nach drei Wochen, Insolvenzantrag stellen.

## Was § 17 InsO unter Zahlungsunfähigkeit versteht

§ 17 Abs. 2 InsO stellt darauf ab, ob der Schuldner seine fälligen Zahlungspflichten erfüllen kann. Hat er seine Zahlungen eingestellt, wird Zahlungsunfähigkeit regelmäßig vermutet. Das Gesetz kennt also zwei Wege: die rechnerische Feststellung über Mittel und Verbindlichkeiten und die Vermutung aus dem äußeren Verhalten, etwa wenn Löhne, Sozialabgaben oder Steuern über längere Zeit nicht mehr gezahlt werden.

Entscheidend ist der Begriff der fälligen Zahlungspflicht. Künftige Raten oder Rechnungen mit noch laufendem Zahlungsziel gehören zum Stichtag nicht dazu. Nach der Rechtsprechung zählen Forderungen, deren Gläubiger erkennbar Zahlung verlangt; dafür genügt in der Regel schon die Übersendung einer Rechnung. Ist eine Forderung dagegen wirksam gestundet, ist sie nicht fällig.

Ein bloßer Stichtagsvergleich reicht nicht aus, weil fast jedes Unternehmen an einzelnen Tagen mehr fällige Rechnungen als Guthaben hat. Deshalb hat der Bundesgerichtshof einen Zeitraum hinzugenommen, in dem sich eine Lücke schließen lassen muss, und eine Größenordnung, ab der sie als erheblich gilt.

## Das Prüfschema in vier Schritten

Prüfung der Zahlungsunfähigkeit nach der Rechtsprechung des BGH

| Schritt | Frage | Rechengröße | Folge |
| --- | --- | --- | --- |
| 1. Liquiditätsstatus | Decken die verfügbaren Mittel am Stichtag die fälligen Verbindlichkeiten? | Aktiva I: Bankguthaben, Kasse, freie und ungekündigte Kreditlinien. Passiva I: fällige, eingeforderte Verbindlichkeiten | Keine Lücke: keine Zahlungsunfähigkeit |
| 2. Drei-Wochen-Plan | Lässt sich die Lücke innerhalb von drei Wochen schließen? | Aktiva II: sicher erwartete Einzahlungen der drei Wochen. Passiva II: in diesen drei Wochen fällig werdende und eingeforderte Verbindlichkeiten | Lücke geschlossen: Zahlungsstockung |
| 3. Lückenquote | Wie groß ist die nach drei Wochen verbleibende Lücke? | Lücke ÷ (Passiva I + Passiva II) | Unter 10 %: regelmäßig zahlungsfähig. Ab 10 %: regelmäßig zahlungsunfähig |
| 4. Ausnahmen | Spricht etwas gegen die Regelvermutung? | Absehbare Entwicklung der Lücke, sichere Aussicht auf vollständige Beseitigung | Begründete Abweichung im Einzelfall |

## Rechenbeispiel mit zwei Varianten

Erfundene Zahlen einer Beispiel-GmbH; vereinfacht, um das Prinzip zu zeigen.

Beide Varianten starten mit derselben Lücke von 70.000 € am Stichtag. Der Unterschied entsteht allein in den drei Folgewochen: In Variante B gehen 35.000 € mehr an gesicherten Kundenzahlungen ein. Das zeigt, warum die Qualität der Einzahlungsplanung über das Ergebnis entscheidet — und warum nur Einzahlungen angesetzt werden dürfen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich eingehen.

Liquiditätsbilanz zum Stichtag und nach drei Wochen, Beträge in Euro

| Position | Variante A | Variante B |
| --- | --- | --- |
| Bankguthaben | 30.000 | 30.000 |
| Freie, ungekündigte Kreditlinie | 20.000 | 20.000 |
| Aktiva I — verfügbare Mittel | 50.000 | 50.000 |
| Passiva I — fällige, eingeforderte Verbindlichkeiten | 120.000 | 120.000 |
| Lücke am Stichtag | 70.000 | 70.000 |
| Aktiva II — sichere Einzahlungen in drei Wochen | 90.000 | 125.000 |
| Passiva II — in drei Wochen fällig werdend und eingefordert | 60.000 | 60.000 |
| Mittel nach drei Wochen (Aktiva I + II) | 140.000 | 175.000 |
| Verbindlichkeiten nach drei Wochen (Passiva I + II) | 180.000 | 180.000 |
| Verbleibende Lücke | 40.000 | 5.000 |
| Lückenquote | 22,2 % | 2,8 % |
| Regelvermutung | Zahlungsunfähigkeit | Zahlungsfähigkeit, sofern die Lücke nicht absehbar wächst |

## Zahlungsstockung oder Zahlungsunfähigkeit

Mit Urteil vom 24.05.2005 (IX ZR 123/04) hat der Bundesgerichtshof die Grenze gezogen. Eine bloße Zahlungsstockung liegt vor, solange der Zeitraum nicht überschritten wird, den eine kreditwürdige Person benötigt, um sich die erforderlichen Mittel zu leihen; dafür erscheinen drei Wochen erforderlich, aber auch ausreichend. Beträgt die innerhalb von drei Wochen nicht zu beseitigende Lücke weniger als 10 % der fälligen Gesamtverbindlichkeiten, ist regelmäßig von Zahlungsfähigkeit auszugehen, es sei denn, es ist bereits absehbar, dass die Lücke demnächst mehr als 10 % erreichen wird. Ab 10 % ist regelmäßig von Zahlungsunfähigkeit auszugehen, es sei denn, die Lücke wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit demnächst vollständig oder fast vollständig beseitigt und den Gläubigern ist ein Zuwarten zumutbar.

Mit Urteil vom 19.12.2017 (II ZR 88/16) hat der Bundesgerichtshof ergänzt, dass in die Liquiditätsbilanz auch die innerhalb von drei Wochen nach dem Stichtag fällig werdenden und eingeforderten Verbindlichkeiten einzubeziehen sind — die sogenannten Passiva II. Wer nur die Einzahlungen der drei Wochen berücksichtigt, die neuen Fälligkeiten aber weglässt, rechnet sich die Lage zu gut. Mit Urteil vom 28.06.2022 (II ZR 112/21) hat der Senat zudem entschieden, dass Zahlungsunfähigkeit nicht zwingend über eine Liquiditätsbilanz, sondern auch mit anderen Mitteln dargelegt werden kann.

## Was ab Eintritt der Zahlungsunfähigkeit gilt

- Antragspflicht: Die Mitglieder des Vertretungsorgans einer juristischen Person müssen nach § 15a Abs. 1 InsO ohne schuldhaftes Zögern Insolvenzantrag stellen — bei Zahlungsunfähigkeit binnen höchstens drei Wochen, bei Überschuldung binnen höchstens sechs Wochen ab Eintritt. Die Fristen sind Höchstfristen; sie dürfen nur ausgeschöpft werden, solange ernsthafte Sanierungsbemühungen laufen.
- Zahlungsverbot: Nach § 15b Abs. 1 InsO dürfen die Antragspflichtigen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit keine Zahlungen mehr für die Gesellschaft leisten, außer solchen, die mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar sind. Zahlungen im ordnungsgemäßen Geschäftsgang zur Aufrechterhaltung des Betriebs gelten innerhalb der Antragsfrist nur dann als vereinbar, wenn Maßnahmen zur nachhaltigen Beseitigung der Insolvenzreife betrieben werden.
- Persönliche Erstattungspflicht: Verbotene Zahlungen müssen die Antragspflichtigen nach § 15b Abs. 4 InsO der Gesellschaft erstatten.
- Strafbarkeit: Bei unterlassenem, verspätetem oder fehlerhaftem Antrag droht nach § 15a Abs. 4 InsO Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.
- Führungslosigkeit: Hat eine GmbH keinen Geschäftsführer, sind nach § 15a Abs. 3 InsO auch die Gesellschafter antragspflichtig, sofern sie Insolvenzlage und Führungslosigkeit kennen.

## Abgrenzung zu drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung

Vor all dem steht § 1 StaRUG: Die Geschäftsleiter juristischer Personen müssen fortlaufend über Entwicklungen wachen, die den Fortbestand gefährden können, bei Erkennen geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen und die Überwachungsorgane unverzüglich unterrichten. Eine laufende Liquiditätsplanung über 13 Wochen und eine längerfristige Finanzplanung sind die Instrumente, mit denen sich diese Pflicht im Alltag erfüllen lässt — und die im Ernstfall belegen, wann welche Lage erkennbar war.

Die drei Eröffnungsgründe der Insolvenzordnung

| Eröffnungsgrund | Vorschrift | Prüfgröße | Antrag |
| --- | --- | --- | --- |
| Zahlungsunfähigkeit | § 17 InsO | Fällige Zahlungspflichten gegen verfügbare Mittel, Drei-Wochen-Zeitraum | Pflicht für juristische Personen nach § 15a InsO |
| Drohende Zahlungsunfähigkeit | § 18 InsO | Voraussichtlich keine Erfüllung bestehender Pflichten bei Fälligkeit, Prognosezeitraum in aller Regel 24 Monate | Nur Recht des Schuldners, keine Pflicht |
| Überschuldung | § 19 InsO | Vermögen deckt Verbindlichkeiten nicht, es sei denn, die Fortführung in den nächsten zwölf Monaten ist überwiegend wahrscheinlich | Pflicht für juristische Personen, Frist sechs Wochen |

## Praktische Hinweise für die Geschäftsleitung

- Führen Sie den Liquiditätsstatus und die Drei-Wochen-Rechnung schriftlich und datiert, sobald eine Lücke am Stichtag auftritt.
- Setzen Sie als Aktiva II nur Einzahlungen an, die belegbar und sicher sind — keine Hoffnung auf Neugeschäft.
- Vergessen Sie Passiva II nicht: Löhne, Sozialabgaben und Steuern, die in den drei Wochen fällig werden, gehören dazu.
- Ziehen Sie frühzeitig Steuerberatung und eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Insolvenz- und Sanierungsrecht hinzu.
- Halten Sie Maßnahmen fest, die zur Beseitigung der Lücke ergriffen werden, mit Datum und erwarteter Wirkung.

## So geht es mit liquiditaetsplanung.io

- Verfügbare Liquidität als Cash-Position zuzüglich freier Kreditlinien
- Überfällige Verbindlichkeiten zählen in der ersten Woche, überfällige Forderungen werden über die ersten vier Wochen verteilt; seit mehr als 90 Tagen überfällige Forderungen bleiben draußen
- Szenario „Kritisch“ mit späteren Kundenzahlungen und Forderungsausfall
- CSV-Export der Vorschau für Steuerberatung und rechtliche Beratung

liquiditaetsplanung.io ist ein Planungsinstrument und trifft keine rechtliche Feststellung. Es liefert aber die Zahlen, auf denen die Prüfung aufsetzt: den aktuellen Bestand über alle Konten, die freie Kreditlinie und eine Wochen-Vorschau, in der offene Verbindlichkeiten zum Fälligkeitstag und Steuertermine enthalten sind.

## Häufige Fragen

### Ab wann ist ein Unternehmen zahlungsunfähig?

Nach § 17 Abs. 2 InsO, wenn es seine fälligen Zahlungspflichten nicht erfüllen kann. Nach der Rechtsprechung des BGH ist das regelmäßig der Fall, wenn eine Liquiditätslücke nicht innerhalb von drei Wochen geschlossen werden kann und mindestens 10 % der fälligen Gesamtverbindlichkeiten beträgt. Die Einstellung der Zahlungen begründet eine gesetzliche Regelvermutung.

### Was bedeutet die 10-Prozent-Regel?

Sie stammt aus dem BGH-Urteil vom 24.05.2005 (IX ZR 123/04). Bleibt nach drei Wochen eine Lücke von weniger als 10 % der fälligen Gesamtverbindlichkeiten, ist regelmäßig noch von Zahlungsfähigkeit auszugehen, ab 10 % regelmäßig von Zahlungsunfähigkeit. Beide Vermutungen können im Einzelfall durch besondere Umstände widerlegt werden.

### Was sind Passiva II?

Verbindlichkeiten, die innerhalb von drei Wochen nach dem Stichtag fällig werden und eingefordert sind. Nach dem BGH-Urteil vom 19.12.2017 (II ZR 88/16) müssen sie in die Liquiditätsbilanz einbezogen werden. Sie stehen den Einzahlungen derselben drei Wochen gegenüber.

### Wie lange hat eine GmbH nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit Zeit für den Insolvenzantrag?

Unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern; die äußerste Grenze liegt bei drei Wochen ab Eintritt der Zahlungsunfähigkeit (§ 15a Abs. 1 InsO). Die drei Wochen sind eine Höchstfrist und dürfen nur genutzt werden, solange aussichtsreiche Sanierungsbemühungen laufen. Bei Überschuldung beträgt die Höchstfrist sechs Wochen.

### Was ist der Unterschied zwischen drohender und eingetretener Zahlungsunfähigkeit?

Drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO liegt vor, wenn bestehende Zahlungspflichten voraussichtlich bei Fälligkeit nicht erfüllt werden können; der Prognosezeitraum beträgt in aller Regel 24 Monate. Sie berechtigt zum Insolvenzantrag und eröffnet die Instrumente des StaRUG, verpflichtet aber nicht zum Antrag. Eingetretene Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO löst dagegen die Antragspflicht aus.

### Zählen Kreditlinien zu den verfügbaren Mitteln?

Freie, zugesagte und nicht gekündigte Kreditlinien werden in der Praxis zu den verfügbaren Mitteln gerechnet, weil das Unternehmen über sie sofort verfügen kann. Eine nur in Aussicht gestellte Finanzierung gehört dagegen nicht in den Stichtagsstatus, sondern allenfalls in die Planung der Folgewochen.

## Quellen und Rechtsstand

- [§ 17 InsO](https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__17.html) — Definition der Zahlungsunfähigkeit und Vermutung bei Zahlungseinstellung
- [§ 15a InsO](https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__15a.html) — Antragspflicht, Höchstfristen von drei und sechs Wochen, Strafbarkeit
- [§ 15b InsO](https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__15b.html) — Zahlungsverbot und Erstattungspflicht nach Eintritt der Insolvenzreife
- [§ 18 InsO](https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__18.html) — Drohende Zahlungsunfähigkeit, Prognosezeitraum in aller Regel 24 Monate
- [§ 19 InsO](https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__19.html) — Überschuldung mit Fortführungsprognose über zwölf Monate
- [§ 1 StaRUG](https://www.gesetze-im-internet.de/starug/__1.html) — Krisenfrüherkennung und Krisenmanagement durch die Geschäftsleiter

## Weiterführende Seiten

- [13-Wochen-Liquiditätsplanung](https://liquiditaetsplanung.io/ratgeber/13-wochen-liquiditaetsplanung)
- [Kontokorrentlinie überwachen](https://liquiditaetsplanung.io/ratgeber/kontokorrentlinie-ueberwachen)
- [Mindestliquidität festlegen](https://liquiditaetsplanung.io/ratgeber/mindestliquiditaet-festlegen)
- [Liquiditätsplan erstellen](https://liquiditaetsplanung.io/ratgeber/liquiditaetsplan-erstellen)

## Engpässe sehen, bevor sie rechtlich relevant werden

Cash-Position, freie Linien und die nächsten Wochen in einer Vorschau — damit die Prüfung auf belastbaren Zahlen steht. 7 Tage kostenlos testen.

[7 Tage kostenlos testen](https://liquiditaetsplanung.io/register)

[Zur Startseite](https://liquiditaetsplanung.io/)
